Mal etwas länger

Dass ich in einer Misere stecke, dürfte den treuen Verfolgern dieses Blogdings aufgefallen sein. Und zwar durch Nichtauffallen. Vielleicht sollte ich es mal aufdröseln, um meine missliche Lage zu erläutern. Nicht, dass ich mir auf diese Weise irgendeine Art der Lösung erhoffe, denn dazu ist diese Misere viel zu massenkompatibel. Aber erklären will ich mich.

Dieses Blogdings wollte ich nie als Personal Blogdings führen. Und obwohl damit alleine ja eigentlich schon die Problematik aufgehoben ist, dass lebende Personen hier Dinge über mich erfahren, die sie nicht erfahren sollen – man weiß ja nicht, wie sich so ein Blogdings entwickelt –, war von Anfang an klar, dass ich es unter Pseudonym befülle. Man soll mich eben auch nicht aus Versehen finden. So weit, so gut: Über die Anonymität dieses Blogdings war ich zum Teil ja sogar richtig stolz. Ich hatte hier ein Ventil, wobei die Momente, in denen ich Luft ablassen musste, sehr unterschiedlich waren: Selten private (siehe oben), oft einfach nur ein Teilen von Inhalten mit der anonymen Masse, die hier ja gar nicht vorbeischaut; die sucht ja allenfalls nach Informationen zur Stromgeschwindigkeit. Deshalb ist es ja auch dieses Blogdings, mit dem ich auf Kriegsfuß stehe. Kennen viele. Kein Ding. Zwischendurch hatte ich auch ein Blogdings, in dem ich themenbezogen bloggen wollte. Aber der Trend zum Zweitblogdings war dann wohl doch nicht meiner. Egal, das Haus haben wir auch so gekauft.

Dann kam die Geschichte mit dem Podcasten. Das mache ich natürlich auch unter Pseudonym – und natürlich unter einem anderen, da Podcast-Ich und Blogdings-Ich nichts voneinander wissen dürfen, damit das Blogdings-Ich weiterhin anonym ist. Denn den Podcast mache ich ja als Gemeinschaftsproduktion. Bescheuert, aber wenn man einmal damit angefangen hat … Natürlich konnte ich es zum Teil trotzdem nicht lassen, hier Einträge mit Links zum Podcast zu setzen, und die Gemeinschaft hat sie sogar entdeckt, weil sie mit Webstatistiken so ist. („Du, da hat uns einer mit einem Blogdings empfohlen, hinterlektuelles. Komisches Blogdings, aber wenn der uns gut findet!“ Schluck. Eintrag gelöscht.) Und ich habe hier ja sogar einen eigenen Hörbeitrag heimlich veröffentlicht, ein vorsichtiger Versuch, die beiden Welten zu verbinden. Aber auch das alles nur am Rande und völlig egal: Der Podcast ist ein tolles neues Ventil, das auch inhaltlich nichts mit dem zu tun hat, was ich in diesem Blogdings veröffentlicht hätte. Vermutlich ist er auch kein Ventil, sondern die Möglichkeit, alte Sehnsüchte zu stillen.

Und dann kam Twitter.

Jetzt mal abgesehen von dem Chat-Charakter, den Twitter hat, ist es doch genau das Medium, nach dem dieses Blogdings immer lauthals gerufen hat: In 140 Zeichen einfach etwas in die Welt posaunen, vielleicht auch mit Link. Ich habe den Eindruck, dass diese Charakterisierung auf die meisten Einträge in diesem Blogdings zutrifft. Auch in der Monatshistorie dieses Blogdings kann man den Einfluss von Twitter sehr gut erkennen, denn der Oktober 2008 hier ist eintragsfrei – das hatte es seit dem Start dieses Blogdings niemals zuvor gegeben. Könnte ich mich doch also einfach über ein neues Ventil freuen. Der Haken nur: Bei Twitter bin ich unter dem Podcast-Pseudonym registriert, denn letztlich bin ich durch das Podcasten auf Twitter gestoßen. Und habe (und wollte vor allem) da natürlich auch mit anderen Blogdings-Nutzern Kontakt, denen ich dann erläutern musste, wer sie da gerade auf Twitter verfolgt. (Dass ich noch einen zweiten Twitter-Account unter Realnamen habe, den ich beruflich nutze, dazu will ich mal gar nichts schreiben. Wenn schon virtuell-multiple Identitäten, dann richtig kompliziert. Sämtliche digitalen Verbindungen der Identitäten sind also unbeabsichtigt und nur durch Unvorsichtigkeit und Doofheit zu erklären.)

So. Das war es auch schon mit der Misere. Über Lösungen brüte ich schon lange, vom Zusammenlegen der Pseudonyme über Tumblr bis zum Schließen dieses Blogdings mit richtigem Neustart. Alles nicht schön, denn dafür ist mir dieses Blogdings dann doch zu sehr ans Herz gewachsen. Versuche ich also den einzig möglichen Weg: Hier doch mehr Personal Blogdings zu sein, als ich am Anfang eigentlich wollte. Deshalb auch die Idee mit den Stöckchen, die ich ja bislang absichtlich gemieden habe. So können dann alle Pseudonyme ihren Weg gehen und glücklich sein – und dieses Blogdings bekommt wieder mehr Content als im vergangenen Jahr. Und vielleicht noch mehr darüber hinaus. ■

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Ein Gedanke zu „Mal etwas länger

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