Gelesen: Ruhm

Es gibt ein Wort, das mir nach der Lektüre von »Ruhm« von Daniel Kehlmann (Rowohlt Verlag, 2009) nicht mehr aus dem Kopf ging: Schreibübung. Als ob der Autor etwas ausprobieren wollte, was er nicht ganz zu Ende bringen konnte, vielleicht als Vorbereitung auf ein anderes Werk.

Um in der Bewertung fair zu bleiben, muss ich anmerken, dass ich die 203 Seiten auf vier, vielleicht fünf Ansätze verteilt innerhalb von zwei Wochen gelesen habe. Zusammenhängend kann man das nicht gerade nennen, ebenso kann ich nicht (mehr) mit einer lückenlosen Erinnerung an den »Roman in neun Geschichten« aufwarten. Und mit »Die Vermessung der Welt«, dem einzig anderen Buch, das ich von ihm gelesen habe, verbinde ich auch nicht die besten Erinnerungen: Viel zu konstruiert, viel zu kompliziert – ich bin damit nicht warm geworden. Eine Meinung, die sonst allerdings niemand teilt, mit dem ich bislang darüber sprach. (Wieso habe ich eigentlich schon zwei Kehlmann-Bücher gelesen? Er scheint ein unkritisch zu verschenkender Autor zu sein, denn gewünscht habe ich mir beide Titel nicht.)

So mag es an meiner Kehlmann-Vorgeschichte einerseits liegen, vielleicht bin ich aufgrund meines nicht genussvollen, unkonzentrierten Leseverhaltens – was bei diesem Buch tödlich ist – auch einfach nicht hinter die Tiefe gekommen, in die einen die vielen kleinen Geschichten in »Ruhm« ziehen möchten: Überall Hinweise, Verbindungen, Anspielungen. Der entsprechende Wikipedia-Artikel enthält sogar eine Matrix, die die Vernetzung der Ereignisse und Personen grafisch aufarbeitet.

Aber auch nach der späteren Lektüre einiger Interviews mit Daniel Kehlmann zu diesem Buch bleibe ich dabei: »Ruhm« ist eine nicht vollständig geglückte Schreibübung. Ich möchte zwar nicht unbedingt das Buch lesen, für das es die Vorbereitung war, verspreche mir aber davon, »Ruhm« in ferner Zukunft einmal eine zweite Chance bei ungestörtem Lesevergnügen zu geben, ein anderes Bewertungsergebnis. ■

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