Erkältung

Früher ging Erkältung so: Erstes Kribbeln, vielleicht irgendwann Fieber, um es richtig einzuläuten, dann die Nebenhöhlen zu, vielleicht auch die Stirnhöhle, durchsichtiger Schleim, gelber Schleim, Nasenspray, morgens Halsschmerzen, bis man sich aufrecht bewegt oder etwas Warmes trinkt, eventuell geht es auch in Husten über, vielleicht zwei, drei Tage zu Hause, um es auszukurieren, wenn auch Gliederschmerzen dazukommen, Rotlicht, Transpulmin in heißem Wasser inhalieren, Zwiebelsaft trinken, Sinupret, Gelomyrtol, ACC-Schleimlöser, generell viel trinken, vor allem aber viel zusätzlicher Schlaf, der einen nach jedem Aufwachen gesunder wirken lässt. Kann man sich mit arrangieren, immer den heiligen Satz vor Augen: Eine Woche kommt sie, eine Woche bleibt sie, eine Woche geht sie.

Seit bald vier Wochen habe ich jetzt das: Abends mit Schüttelfrost ins Bett, ein bisschen erhöhte Temperatur, am nächsten Morgen die Nase zu, aber nur bis nach dem Frühstück, Nebenhöhle offensichtlich frei, ab dem Mittagessen höllische Kopfschmerzen, nach dem Mittagsschlaf noch höllischere Kopfschmerzen, die man mit Paracetamol bekämpft, sonst ist aber eigentlich nichts. Oder auch: Abends mit ein bisschen Halsschmerzen ins Bett, nachts mehrfach vom völlig vertrockneten Mund aufwachen, morgens Hustenreiz, aber nur bis nach dem ersten warmen Getränk, ab dem Mittagessen höllische Kopfschmerzen, nach dem Mittagsschlaf noch höllischere Kopfschmerzen, obwohl man vor dem Schlafen schon die ersten Kopfschmerztabletten eingenommen hatte, sonst ist aber – außer einer schweren Müdigkeit im Körper – eigentlich nichts. Oder auch: Relativ fit ins Bett, sofortiger Schweißausbruch und Wachliegen von mindestens einer Stunde, morgens leichter Kopfdruck in der Stirnhöhle, ein bisschen gelber Schleim, nach dem Frühstück steigt der Kopfdruck kontinuierlich an, ab dem Mittagessen höllische Kopfschmerzen, nach dem Mittagsschlaf noch höllischere Kopfschmerzen. Das alles wird mit den oben genannten Mittelchen versucht zu bekämpfen, die ja aber nicht wirken, weil man kein Erkältungssymptom richtig und anhaltend hat, sondern alles immer irgendwann ein bisschen und dann auch wieder nicht mehr, abgesehen von den Kopfschmerzen. Inhalieren in eine freie Nase, Schleimlöser gegen in aufrechter Haltung nicht vorhandenen Schleim, Rotlicht auf eine von Paracetamol gedopte Stirnhöhle: Alles gleichermaßen bescheuert und wirkungslos. Ich bin in dieser Zeit jetzt fast zwei Wochen krankgeschrieben, seit heute wird von innen mit Clarithromycin geschossen, weil virale Infekte irgendwann wohl auch in bakterielle umschlagen. Ich habe keine Lust mehr, meide den Zusatzschlaf aus Sorge vor schlimmeren Kopfschmerzen, will einfach nur gesund sein.

Muss sich die grundsätzliche Komplexität des Lebens denn wirklich an jeder beknackten Ecke zeigen? ■

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2 Gedanken zu „Erkältung

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