Panorama (1)

Ich mag meinen Tonfall hier im Blogdings nicht. Und ich spüre mein Bemühen, genau das abzulegen. Mein geschriebenes Wort ist so hölzern, konstruiert, überlegt. Vielleicht wünsche ich mir auch einfach nur, meine Sprechsprache würde sich davon häufiger eine Scheibe abschneiden.

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Wenn ich die Bilder aus Japan sehe, empfinde ich keine Trauer und kein Mitleid. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass das in ähnlich gelagerten Fällen je anders gewesen wäre; also bei Katastrophen, die mich nicht unmittelbar betreffen. (Mich hat noch nie eine Katastrophe ummittelbar betroffen.) Hungersnöte, Bürgerkriege, Naturgewalten: Das ist alles furchtbar und schrecklich, aber abgesehen von der Faszination an der Unglaublichkeit an sich und dem kurzfristigen Entsetzen über Einzelschicksale ist das alles so weit weg, dass es mich nicht im eigentlichen Sinne interessiert oder bewegt. Schon gar nicht, wenn es nicht in der westlichen Welt stattfindet. Es bleibt fremd und surreal. Obwohl ich ja gerne aus der Brutalität, mit der das Leben so vieler Menschen vom einen auf den anderen Tag zerstört wurde, etwas für mich ableiten würde, um meine eigenen Probleme als – im Vergleich – lächerlich und nichtig einzustufen. Aber auch das gelingt mir nicht. Ich bewundere aber alle, die aus diesen Situationen ernsthaftes Nachdenken oder gar Handeln ableiten. Ich habe diese Gabe nicht, deshalb müsst ihr damit weitermachen!

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Wieder was gelernt beim Mittagsspaziergang: Familienväter sind keine Männer mehr. Der Aufenthalt mit der eigenen Tochter in Damentoiletten oder -umkleiden erzeugt weder Ärgernis noch Erregung.

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Auch so etwas: Die Diskussion um die deutschen Atomkraftwerke. Klar, auch mir wäre es lieber, wenn bereits morgen unser Strom ausschließlich aus regenerativen Quellen gewonnen würde, weil es einfach so viel klüger ist. Aber ich gehe grundsätzlich davon aus, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, warum und dass das nicht von nun auf gleich geht. Und wenn es keine Zwischenfälle gibt, freue ich mich über jeden Strom, wenn er aus der Steckdose kommt.

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Der Satz des Tages stammt heute von der Lieblingskollegin: »Ich arbeite doch daran, dass mein Leben so wird wie deins!« ■

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Ein Gedanke zu „Panorama (1)

  1. Pingback: Alte Kriegsfüße, Schreibübungen und eiserne Regeln | hinterlektuelles

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