Zinter Määtes

Laternenumzug, Martinsfeuer, Weckmann – nicht nur mit Blick auf dieses Foto ist das Martinsfest tief in meinen rheinischen Wurzeln verankert.

Rote, gelbe, grüne, blaue

Wichtigster Bestandteil für heranwachsende Jungen ist selbstverständlich die Beleuchtung der Laterne: Glühbirnchen für die Babys, Teelicht für kleine Kinder, Teelicht ohne Halterung ein Jahr später, echte Kerze vielleicht mit fünf Jahren. Ab dann hofft man immer auf das Folgejahr, dass man endlich groß genug ist, um die Laterne gegen eine Pechfackel einzutauschen. Und ist man es dann endlich, will man irgendwie nicht mehr bei den Nachbarn klingeln, um für stimmbrüchigen Gesang ein paar Schokoriegel einzukassieren.

Un stoch se selver an

Den Geschmack der Tonpfeife vom Weckmann fand ich schon immer widerlich.

Looft, Kinder, looft

Die Ausbeute nach dem Singen war immer um Klassen besser als beispielsweise zu Karneval: Erstens hat man die Sachen vorher nicht gesehen, die Spannung ist also größer – »Jetzt sucht euch selbst was aus der Schale aus!«, hätte es in meiner Kindheit nicht gegeben –, und es waren zweitens in aller Regel wertvollere Süßigkeiten als das übliche Wurfmaterial. Genau, Raider und Treets und so. Man musste aber auch mit der einen oder anderen Mandarine zurechtkommen.

Aber nur meine liebe Laterne nicht

Eigentlich war mir die Geschichte vom heiligen Sankt Martin immer suspekt: Das Teilen des Mantels habe ich mir so vorgestellt, dass der Bettler beispielsweise die Seite mit dem linken Ärmel bekommt, Sankt Martin den rechten. Was automatisch die Frage aufwirft, was daran so viel besser sein soll, wenn man einseitig erfriert. In meinen Gedanken hat der Bettler ständig den Mantel mal auf der einen Seite, dann verkehrt herum auf der anderen Seite getragen. Gut, davon wird einem auch warm, wenn man die ganze Zeit in Bewegung ist. Interessant, dass der horizontale Einsatz des Schwertes in meinem kindlichen Gehirn keinerlei Beachtung fand.

Hat Kleider nicht, hat Lumpen an

Was in meiner Kindheit so gar nicht in Mode war, war das Verunstalten der Martinslieder. (Das »Dä gov de Kinder Pimmel« lasse ich mal unter den Tisch fallen, Olav, das war nur Pipikakahumor und könnte auch noch missverstanden werden.) Aber zum Beispiel habe ich die Textzeile »Sankt Martin ritt durch Pommes und Salat, sein Ross trug ihn zum Colaautomat« vergangenes Jahr genauso zum ersten Mal gehört wie »Ich geh mit meiner Bazooka«.

Rabimmel, rabammel, rabumm, bumm, bumm

Die Geschichte schlechthin, wie wir eines Jahres an einer Haustür unser Lied zu Ende gesungen hatten, um dann den legendären und Jahr für Jahr zitierten Satz zu hören: »Wisst ihr was, ich habe gar nichts eingekauft, wartet mal!« Dann war die Türe zu, nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Bewohnerin wieder heraus und öffnete eine frische Dose Tennisbälle für uns. Tennisbälle! Zu Sankt Martin! Von so einer Anekdote zehrst du als Kind Jahre. ■

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