Gesehen: Die große, pickepackevolle Helge-Schneider-Klassiker-Box

Vorweg: Ich habe Helge Schneider mehrfach auf der Bühne gesehen. Was für ein begnadeter Musiker, der zig Instrumente an einem Abend spielt. Was für ein wundervoller Schauspieler, der einem Dinge als spontan verkauft, die perfekt choreografiert sind. (Ob und wann er wirklich improvisiert, konnte man immer in den Gesichtern seiner Bandmitglieder ablesen.) Was für eine unkalkulierbare Gesamterscheinung. Andererseits: Ich meine, dass ich schon einmal einen Kurzfilm von ihm gesehen habe, dessen Erzählweise ich einfach nicht verstand. Und »Globus Dei« habe ich als einziges Buch von ihm gelesen, das war einfach nur gequirlte … ein modernes Märchen. Deshalb habe ich mich nie mit der Filmografie von Helge Schneider befassen wollen, diese Bildungslücke wollte ich jetzt aber anfangen zu schließen. Und das ist ganz schön zäh – vielleicht muss man Filme einfach sehen, wenn sie erscheinen. Oder wenn man jünger ist.

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Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem
Der Film bricht einfach mit jeder Sehgewohnheit. Mit jeder Konvention. Will keine Handlung haben, der man folgen kann. Ja, das ist bestimmt Kunst. Aber keine, die ich mir anschauen möchte. Ich habe trotzdem bis zum Ende durchgehalten und mir alle Extras auf der DVD angesehen. Die haben wirklich geprobt, also auch außerhalb der Filmaufnahmen!

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00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter
Puh, ein Film mit Handlung! Und Charaktere, die bei aller Improvisation und allen Brüchen nicht völlig belanglos sind. Das ist ein Film: Ein merkwürdiger zwar, aber eindeutig als Film zu erkennen. Mit einem erstklassigen Bösewicht.

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Praxis Dr. Hasenbein
Mir gefällt die Kleinstadt, die hier comichaft überzeichnet gezeigt wird. Aber es fehlt wieder die Handlung. Helge Schneider sagt im Bonusmaterial dieser DVD auch, dass dieser Film eher eine Studie ist. Das trifft es.
Weil ich aber mit den ersten beiden Filmen so meine Schwierigkeiten hatte, habe ich das erste Mal einen Film mit Audiokommentar gesehen, direkt beim ersten Anschauen. Ich dachte, dass man so vielleicht etwas mehr über die Hintergründe und Intentionen erfährt. Helge Schneider bricht den Kommentar aber nach rund 20 Minuten ab, weil das ein schrecklich langweiliger Film sei, zu dem ihm einfach nichts einfallen würde. Okay.

Die Filme sind einfach nicht meine. Die Art aber, wie Helge Schneider in den Interviews auf diesen DVD-Sonderausgaben mit Abstand kritisch über seine Filme spricht, die mag ich wiederum ungemein. Diese Unzufriedenheit mit dem eigenen Werk, diese ewige Auseinandersetzung. Ich muss seine Filme zum Glück nicht mögen, aber das »Lebenswerk Helge Schneider«, das mag ich jetzt umso mehr. ■

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