Immer weiter

Das fühlt sich ganz merkwürdig an.

Ich hasse es eigentlich, wenn der FC Bayern vorgeführt wird. Schlimmer geht es in meinen Augen nicht. Viele Bayernfans sagen, dass das Champions-League-Finale 1999 für sie die schlimmste Niederlage aller Zeiten gewesen sei. Und ja: Ich habe nur einmal in meinem Leben 30 Minuten am Stück in Schockstarre vor dem Fernseher gesessen. Aber das war surreal damals, das konnte deshalb nicht wehtun. Das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale 2009 hingegen, das war »meine« schlimmste Niederlage: Vorgeführt vom FC Barcelona, geprügelt wie ein Hund, 0:4. Gegen das Team von – Pep Guardiola. Grauenhaft, beschämend, traumatisch. Zumindest ein bisschen wurde diese Wunde im Halbfinale gegen Barcelona im letzten Jahr wieder geheilt.

Aber so richtig auch nicht. Denn die Bilder von damals hatte ich heute Abend direkt wieder im Kopf. Wieder ein 0:4. Wieder vorgeführt. Wieder geprügelt wie ein Hund. Dieses Mal sogar im eigenen Stadion!

Aber: Ich bin erstaunlich gefasst. So gefasst, dass das hier der erste Schritt meiner Aufarbeitung des Themas »Ich, Bayernfan« sein könnte.

Ich habe auf die Schnelle unmittelbar nach dem Spiel nur eine Erklärung dafür: Es wäre natürlich großartig gewesen, als erste Mannschaft die Champions League zu verteidigen. Oder gar das Doppltrippl zu gewinnen. (Wobei ich Stand heute nicht einmal das Double für erreichbar halte.) Und ich weiß nicht, was die Wochen seit der eingetüteten Meisterschaft mittelfristig mit Pep Guardiola machen: Ob sie ihn anspornen, neu über Fußball (in der Bundesliga) nachzudenken oder ihm eher das Gefühl geben, mit seiner Fußballphilosophie und damit beim FC Bayern gescheitert zu sein. Also gescheitert auf allerhöchsten Niveau, den grandios erspielten Meistertitel nimmt ihm ja keiner. (Aber danach strebt er offensichtlich nur indirekt, immer auf der Suche nach dem perfekten Fußballspiel.) Aber das ist – und das ist es, was sich so merkwürdig anfühlt – letztendlich eine gute Sache: Der FC Bayern hat wieder ein Ziel. Mindestens eines. Und Pep Guardiola gleich mit. Und die Freude darüber überdeckt heute Abend alle anderen Gefühle. ■

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