Meine erste Magnetresonanztomographie

Wieso die Pressemitteilung der Uni Bonn bei mir im Facebook-Stream auftauchte? Keine Ahnung. Vermutlich gegen Geld perfekt in der Zielgruppe untergebracht. Aber als ich las, dass ich für eine Studie des Center for Economics and Neuroscience als Proband eine MRT-Untersuchung mitmachen könne, habe ich mich sofort angemeldet.

Welchen Nutzen eine Studie haben mag, in der untersucht wird, wie Gehirn und Gene die finanziellen Investitionsentscheidungen von Männern zwischen 30 und 50 beeinflussen, kann ich nur erahnen. Vor allem dann, wenn sie vom Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung mitfinanziert wird. Oh Graus, die Banken designen Finanzprodukte, denen ich genetisch verfallen sein werde. Und wenn ich noch weiter überlege, wie viele Datenschutzerklärungen ich im Vorfeld unterschrieben habe … Nee, das überlege ich mir lieber nicht, denn sonst trauere ich noch dem Geld hinterher, das jetzt bestimmt mit meinem Blut und mit den MRT-Bildern meines Gehirns und mit meinem Psychogramm gemacht wird. Wenn einer mal gerade den PC nicht gesperrt hat.

Alles egal, mir ging es ausschließlich darum: Mich in so einen Kernspin zu legen und die Erfahrung zu sammeln, wie das ist. Und zwar in einer entspannten Situation, in der es anschließend nicht darum geht, wie groß der Tumor in meinem Kopf wohl sein oder welche neurologische Erkrankung ich wohl haben mag. (Obwohl man sich bei mir melden würde, wenn es einen pathologischen Befund gäbe. Also eine Win-Win-Situation für uns Kassenpatienten.) Einfach nur austesten, wie sich das anfühlt, ob ich Platzangst bekomme. Um keine Angst vor der Maschine und ihrem Rumpeln und Pumpeln zu haben, wenn es wirklich mal ernst wird. Ich war nämlich zum Glück noch nie in so einer MRT-Röhre.

Dass ich bei dem Börsenspiel am Ende auch noch etwas mehr als 90 Euro für die drei Stunden im Labor verdient habe: Geschenkt. Die Erfahrung war es einfach wert, mich für die Wissenschaft zu opfern. (Bis auf die ersten zwei Minuten, in denen ich noch Sorge hatte, ob sich mein über 20 Jahre altes Zahnimplantat im Kernspin wohl erhitzen mag.) Und für alles andere kann ich nur hoffen, dass meine alte Universität ethisch einfach sauber tickt.

Übrigens: Ich war der 94. Proband. Ausgelegt ist die Studie auf 150 Teilnehmer. Männer, auf geht’s – im Nebenraum vom Kernspin liegt auch das Handbuch von Siemens mit der MRT-Bedienungsanleitung. Da kann also gar nichts schiefgehen! ■

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