Gedanken zum Grünkohl

Meinen Erstkontakt zu Grünkohl hatte ich durch die angeheiratete Familie. Meine Sozialisation fand mit Kartoffeln, Kasseler, Pinkel und Senf statt, wie anständige Nordlichter ihren – Achtung! – Braunkohl eben essen.

Im Lauf der Jahre beanspruchten aber alle Unwissenden plötzlich den Grünkohl für sich: Diejenigen etwa, die ihre Kinder Friedrich oder Elisabeth nennen und wieder so ursprünglich kochen wollen, wie es die Großeltern schon taten. Oder die korrekten Biokistenabonnenten, die verzweifelt in sozialen Netzwerken nachfragen müssen, wie sie Grünkohl denn jetzt zubereiten, bevor er senkrecht startend zu ihrem Gemüse des Jahres wird. Auch darf in keinem der zeitgeistigen Deutschkochbücher, die wie Grünkohl auf den Feldern sprießen, das obligatorische Grünkohlrezept fehlen – ein Wunder fast, dass Tim Mälzer sein Kochbuch nicht »Grünkohlbox« nannte.

Ich habe aber inzwischen meinen Frieden gemacht mit den Grünkohlbanausen. Sie können schließlich nichts dafür, dass sie nicht mein fundiertes Grünkohlwissen besitzen. Dass ich heute dazu in der Lage bin, diese Toleranz zu zeigen, dabei half mir zum einen dieses Rezept für Curly Kale Pizza von »Oh My My« Gennaro Contaldo. Vor allem aber folgendes Plakat auf einer Anti-Pegida-Demonstration in Bremen Anfang der Woche. Ganz große Grünkohlküche.

Unser Koch ist Araber ...
(Quelle: tagesschau.de)

PS: Wenn das nächste Mal wieder »Grünkohl untereinander mit Kartoffeln, dazu Bratensoße« auf unserem Wochenspeiseplan vom Cassiusgarten steht, muss ich dringend ein paar knackige Mettwürstchen für die Kollegen und mich einpacken. Pimp your Grünkohl. Ich muss sie schließlich nicht mit importierter Pinkelwurst überfordern, sondern es sollen einfach nur alle Menschen grünkohlglücklich sein. ■

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