Es ist nicht leicht, ein Ironblogger zu sein

Sonntagmorgen. Du wachst auf, und du weißt genau, dass irgendetwas nicht stimmt. Dass du gestern Abend etwas vergessen hast. Was war gestern Abend? Du hast erst den Podcast geschnitten und veröffentlicht. Dann das Sportstudio geschaut, timegeshiftet, weil es doch wieder länger dauerte mit den Shownotes. Beim Fernsehen hast du Wäsche zusammengelegt, vier Maschinen. Immer im Interview-Teil, da muss man nicht hinschauen. Himmel, war dieser Dortmunder Torhüter langweilig. Als die Zusammenfassung der Ergebnisse des Spieltags kam, bist du auf dem Sofa eingenickt. So um den Dreh. Danach direkt ins Bett, die zusammengelegte Wäsche liegt noch im Wohnzimmer. Was könntest du nur vergessen haben?

Natürlich! Du wolltest gestern Abend doch gebloggt haben!

Am Freitag kam wie immer die Erinnerung vom Bot. Du Idiot, fünf Tage hattest du schon Zeit, deinen Text zu tippen. Aber wieder muss das Wochenende herhalten. Um 11 Uhr 30 also nicht entspannt mit den anderen die Sendung mit der Maus schauen, sondern währenddessen einen 5-Euro-Text schreiben. Wie so häufig. 4 Euro 90 reichen nicht, den Anspruch hast du an dich selbst. Wieso hat der Wecker überhaupt geklingelt am Sonntag? Jetzt bist du wach: Es kommt doch Frühstücksbesuch! Ergo: Keine Maus. Kein Ironblogging während der Maus. Kein Text bis zur Mittagszeit.

Worüber schreibst du heute überhaupt? Die Gedanken kannst du dir doch wenigstens machen. Den Text über die veränderten TwoDots-Spielregeln, den du schon seit zwei Wochen schreiben willst? Ist irgendwie zu spät, die Regeln sind doch gar nicht mehr neu. Nach Paris über veränderte Spielregeln zu schreiben, das geht doch sowieso in die Hose. Vielleicht einfach nur den Limerick über die ausgebliebenen Flattr-Klicks im vergangenen Monat? Da bist du vielleicht schnell aus dem Schneider. Aber dieser Text ist keine 5 Euro wert, da muss noch etwas dazu. Hast du etwas gesehen oder gelesen in der letzten Woche? Zwei Folgen der zweiten Staffel von Lerchenberg. Das reicht nicht für eine Bewertung. Aber gestern hast du doch die vierte Ausgabe von Den macht sogar meine Oma veröffentlicht. Mit der Nullzunullnummer sind das fünf Podcast-Episoden. Das ist doch wie ein Jubiläum, darüber kannst du doch schreiben. Denn über den Oma-Podcast hast du bislang noch nie geschrieben. Aber vier Folgen sind irgendwie auch nur sehr gewollt ein Jubiläum. Geht nicht.

16 Uhr. Die Kinder wollen noch eine Runde mit dem Fahrrad drehen. Gut, dann wird es heute eben richtig sportlich mit dem Text. Denn um 19 Uhr willst du los ins Kino. Hey, immerhin hast du für die kommende Woche direkt ein Thema. Kannst du eigentlich direkt morgen schreiben, dann ist die ganze Woche Ruhe. Aber das hilft für den heutigen Abend auch nicht. Worüber schreibst du jetzt überhaupt? Und wann jetzt in den letzten eineinhalb Stunden? Wenn die Kinder gebadet werden? Vielleicht kannst du dich da aus der Verantwortung stehlen und sagen, dass du dich um das Abendessen kümmerst. Das ausgefallene Mittagessen, weil es spätes, langes Frühstück gab. Das ist doch ein Plan.

So entstand dieser Text. Auf dem Herd köcheln Maultaschen. ■

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Ein Gedanke zu „Es ist nicht leicht, ein Ironblogger zu sein

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