Profilbild-Dilemma

Möglichkeiten, das eigene Profilbild bei Facebook, Twitter, WhatsApp & Co. aus emotionaler Solidarität anzupassen, gibt es zurzeit leider zuhauf. Wie aber fasse ich den Entschluss, die Umgestaltung eines Tages wieder aufzuheben? Wann ist es genug der Verbundenheit? Gilt Refugees Welcome nicht mehr, wenn ich Le Tricolore verwende? Was ist mit der Regenbogenflagge? Je suis Charlie? Gilt das alles noch, nur ein bisschen weniger? Ich bin überfordert. Vielleicht helfen Entsprechungen im Nichtdigitalen, um Regeln abzuleiten. Wie lange hatten wir die Red Ribbons angesteckt? Wann waren 2006 die letzten Deutschlandfähnchen von den Autos verschwunden? Wie lange tragen Witwen und Witwer schwarz, um ihrer Trauer äußerlich Ausdruck zu verleihen?

Mich bringt diese Unsicherheit jedenfalls dazu, gar nichts mit meinem Profilbild zu machen. Damit habe ich zwar eine Entscheidung getroffen, aber leider die andere, die sich falsch anfühlt. Klassisches Dilemma. ■

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Begrüßung unter Männern

Männer, wir müssen reden. Das geht so nicht weiter. Diese ständige Unsicherheit macht uns doch alle fertig. Erst vorgestern wieder: Ich treffe mich das erste Mal mit jemandem, den ich bislang nur aus dem Internet kannte, und was mache ich zur Begrüßung? Später. Halten wir erst einmal die Grundregeln fest: Unter Männern gibt es üblicherweise nicht viele Möglichkeiten, wie man sich begrüßt.

  • Das körperlose Hallo Kein Händedruck, keine Umarmung. Man trifft sich einfach nur. Vielleicht nickt man sich kurz zu, ein zustimmender Gesichtsausdruck, zeigt mit einem oder beiden Zeigefingern auf den anderen, man kann auch auf den Tisch klopfen und ein »Hallo in die Runde« werfen. Doch: Wenn man erst einmal damit angefangen hat, sich mit jemandem so zu begrüßen, legt man das in aller Regel auch nicht mehr ab. Unangetastete Komfortzone bleibt unangetastete Komfortzone.
  • Der Händedruck Der Klassiker. Ein guter Startpunkt, um von dort in eine andere Begrüßungsform überzugehen. Er kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn die Frauen miteinander befreundet sind und man sich als männliche Partner das erste Mal trifft. Da ist eine Umarmung zu viel, man will sich aber auch nicht körperlos begrüßen; man weiß ja nicht, wie sich das alles noch entwickeln wird. Beim zweiten Treffen kann man den Händedruck vielleicht noch durch das Festhalten des rechten Oberarms des anderen Mannes mit der eigenen linken Hand ergänzen: Das baut Nähe auf, ist aber eben keine Umarmung. Auch beliebt in Geschäftsbeziehungen.
  • Die Umarmung Gefährlich, gefährlich! Eigentlich nur für geübte Begrüßer zu empfehlen. Denn manche Männer haben Schwierigkeiten dabei, die Schulter richtig auszuwählen, über die hinweg man sich umarmt. Das kann zu peinlichen Näherungen auf Kopfhöhe führen. Steuern kann man diese Situation aktiv durch die kombinierte Händedruck-Umarmung, bei der man sich erst die Hand reicht, in dieser Position verharrend die Arme vor den Körpern verschränkt, näher zusammenrückt und sich mit dem zweiten, frei gebliebenen Arm umarmt. Zügig abchecken sollte man, ob das Gegenüber mit seiner Hand auf den Rücken drückt oder mit viel Luft klopft – und es entsprechend erwidern. Streicheln empfinden die meisten Männer im Übrigen als Tabu oder eindeutiges Signal.

Zu diesen drei Grundregeln der Begrüßung unter Männern gesellen sich – allerdings eher selten – weitere Gesten, wie das leichte Boxen auf die Schulter nach dem bereits gelösten Händedruck. Gelegentlich muss man auch das leichte Schlagen des Handrückens auf die Brust- oder Bauchpartie ertragen, Fäuste zusammenschlagen (Fist Bump) oder einen komplizierten Zusammenstoß der Unterarme vollziehen, aber das sind, so meine Vermutung, eher merkwürdige Spielarten unter Spätpubertierenden. Das eigentliche Kopfzerbrechen – und deshalb, Männer, müssen wir reden – bereitet er:

  • Der Sportlerhandschlag Die Hände gehen dabei in die Ausgangsposition, die man vom Armdrücken kennt. Gerne etwas hohl zusammengeschlagen, um ein möglichst lautes Klatschgeräusch zu erzeugen. Oft auch weitergeführt zur sportlichen Schulterumarmung, bei der im anhaltenden Sportlerhandschlag die jeweils rechten Schultern kurz aneinandergeschlagen werden, ergänzt um ein anerkennendes Klopfen mit der anderen Hand auf den Rücken des Gegenübers. Das eigentliche Problem am Sportlerhandschlag ist jedoch, ob man den anderen Mann richtig einschätzt, ob er also auch einen Sportlerhandschlag erwartet oder man selbst erwartet, dass er einen Sportlerhandschlag erwartet. Für diese Entscheidung, in welcher Höhe und mit welcher Bewegung ich meine eigene Hand zur Begrüßung anbiete, bleibt oft nur eine Zehntelsekunde Zeit. Die Einschätzung, ob der andere Mann einen sportlichen Handschlag bevorzugt, ist nur mit unmittelbarer Studie von Körperspannung und Handhaltung, selten durch die Kleidung zu bestimmen. Entscheidet man sich falsch oder hat die Vorzeichen falsch gedeutet, entsteht zur Begrüßung ein peinliches Handgemenge, das beide bis zur Verabschiedung nicht vergessen werden – und so mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Handschlag auseinandergehen. Hat man jedoch den Sportlerhandschlag einmal erfolgreich praktiziert, wird man ihn mit diesem Mann sehr zielsicher immer wieder durchführen; selbst dann, wenn einer von beiden oder gar beide nicht sonderlich sportlich sind. Wenn der Sportlerhandschlag in einem solchen Fall einmal nicht passend sitzt, ist es auch kein Drama mehr.

Zurück zu vorgestern: Ich war sicher, dass der Sportlerhandschlag angebracht ist. In der besagten Zehntelsekunde merkte ich aber, dass es ein normaler Handschlag werden wird – den wir sogar ohne Handgemenge oder sonstige Irritation ausführten. Ein guter, ehrlicher Händedruck. Doch meine Restenergie für den eigentlich geplanten Sportlerhandschlag bekam ich nicht unterdrückt, sodass ich auf den normalen Händedruck einen Oberarmklopfer folgen ließ! Wie so ein väterlicher Freund! Peinlich. Es war ein gutes Zeichen, dass wir zum Abschied wieder einen Händedruck schafften, wenngleich im Laufen befindlich und in körperlicher Distanz zueinander, weil wir uns in unterschiedliche Richtungen verabschiedeten. Das hatte schon fast etwas von einem »körperlosen Tschüss«. Was folgt daraus? Männer, lasst uns den Druck aus dieser Situation nehmen! Wir sollten dankbar sein, keine Küsschen-links-rechts-Kombinationen auswendig lernen oder der Intensität unserer Umarmungen eine Bedeutung beimessen zu müssen. Lasst uns den Sportlerhandschlag einfach zum Standard der Begrüßung unter Männern werden lassen. Denn eigentlich verkompliziert er die Situation nicht, sondern er ist ihre Lösung. Komplexitätsreduktion von 3 auf 1: Ein Hoch auf den Sportlerhandschlag! ■

Homebanking

Ob man eine Banking-App überhaupt verwenden sollte, darüber kann man sicherlich streiten. Will ich aber gar nicht. Die ING-DiBa bietet eine App an, die ich eigentlich nur zum gelegentlichen Checken von Geldeingängen Abbuchungen nutze. Das ist praktisch.

Ob man das Mobile-TAN-Verfahren verwenden sollte, auch darüber kann man sicherlich streiten. Will ich aber gar nicht. Die ING-DiBa bietet das an, das wird auch irgendwelchen Sicherheitsstandards entsprechen. Und es ist einfach sehr praktisch, sich für Banktransaktionen die jeweils aktuelle TAN auf das Smartphone schicken zu lassen.

Jetzt ist es aber so, dass sich die Banking-App sofort von selbst schließt, wenn sich irgendeine Benachrichtigung auf dem Smartphone in den Vordergrund schiebt. Wie zum Beispiel eine SMS-Benachrichtigung, die eine angeforderte TAN enthält. Moment! Wie kann ich denn dann je eine Transaktion über die Banking-App ausführen, wenn sich die App bei Zugang der mobilen TAN schließt? Genau: Bei Transaktionen über die App kommt das Mobile-TAN-Verfahren nicht zu Einsatz, sondern ich muss … eine TAN vom TAN-Zettel eingeben! So wie früher!

Man kann sicherlich darüber streiten, ob früher alles besser war. Will ich aber gar nicht. Sondern ich würde gerne wissen, ob es wirklich keine elegantere Lösung für dieses Problem als den TAN-Zettel aus dem letzten Jahrhundert gibt. ■

Update (März 2015): Das Problem wurde offensichtlich gelöst.

In meiner Badewanne bin ichs schon

Seit mehreren Wochen empfiehlt mir XING folgende Jobs:

Jobvorschläge bei XING

Ich überlege, ob ich mich nicht einfach aus Spaß bei der Germania Flug AG bewerben sollte. Mit Referenz auf XING. Wobei zwei Fragen auch dann unbeantwortet blieben: Was in meinem Profil lässt XING glauben, dass ich einen Airbus A320 fliegen können müsste? Und wenn ich doch das Potenzial zum Kapitän besitze, warum sollte mich dann die Co-Piloten-Stelle interessieren? Als Teilzeitjob, immer nur für den Rückflug? ■

Die EURion-Konstellation

Wenn ich Banknoten nachmache oder verfälsche, oder nachgemachte oder verfälschte mir verschaffe und in Verkehr bringe, kann ich mit Freiheitsstrafe bestraft werden. Schon klar. Dass aber in meinem Drucker eine Geldscheinerkennungsroutine implementiert ist, die es mir unmöglich macht, eine Euro-Banknote (einseitig, für einen Gutschein, übrigens nicht von mir und leider auch nicht für mich) auszudrucken: Das wusste ich nicht. Mit einem dezenten Hinweis auf die Central Bank Counterfeit Deterrence Group wird der Ausdruck jäh unterbrochen.

Rules for Use

Eine Stück Software hindert mich also daran, mich vermeintlich strafbar zu machen? (So übrigens.) Das schränkt meine Freiheit doch irgendwie auch ziemlich stark ein. Lebenslang, vermutlich. Habe ich beim Kauf des Druckers eingewilligt, dass ich das gerne so hätte? Oder als europäischer Staatsbürger? Yrre.

Davon abgesehen möchte ich nicht wissen, an welche Stellen mein Versuch, einen Geldschein auszudrucken, übermittelt wurde … ■