Jahresrückblick 2016

Ich wollte nicht. Aber jetzt habe ich doch. Ohne wäre schade.

Zugenommen oder abgenommen? Ich habe mich in diesem Jahr nicht auf die Waage gestellt. Alte Verhaltensmuster haben sich wieder eingeschlichen. Aber wenn ich wollte, könnte ich jederzeit wieder … Haha! Plus 5 Kilo.

Haare länger oder kürzer? Keine Veränderung.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Der Optiker war zufrieden mit der Entwicklung meiner Augen, weil er dieses eine Rädchen in die andere Richtung drehen konnte, bevor er die neuen Gläser bestellte.

Mehr ausgegeben oder weniger? Plusminusnull.

Mehr bewegt oder weniger? Zu wenig auf konstantem Level.

Der hirnrissigste Plan? Herzlich willkommen! Diese Frage ist der diesjährige Streichkandidat im Jahresrückblick. Im kommenden Jahr wird sie deshalb schonungslos ersetzt durch die Frage: »Erfreut hat mich?«

Die gefährlichste Unternehmung? Das war ein ziemlich ungefährliches Jahr.

Die teuerste Anschaffung? Das Schiebetür-Auto.

Das leckerste Essen? Zucchini-Hackfleisch-Pfanne. Flammblätterteig. Cheeseburger-Muffins. Schinkennudeln. Jedes Essen in Cannobio.

Das beeindruckendste Buch? »Du musst dich nicht entscheiden, wenn du 1000 Träume hast«. Das Buch hat mich in der ersten Jahreshälfte ziemlich umgehauen – so sehr, dass ich mich seitdem nicht getraut habe, den Ratschlägen konsequent zu folgen. Aber wenn ich wollte, könnte ich jederzeit … Haha!

Der berührendste Film? Ich habe bei IMDb meine erste 10 vergeben: »Alles steht Kopf«. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich war bestens unterhalten, ich habe etwas gelernt. Mehr kann ein Film nicht leisten.

Welche wichtige Erkenntnis habe ich in diesem Jahr gewonnen? Ich besitze eine Scanner-Persönlichkeit.

Das beste Lied? Irgendetwas zwischen »Hulapalu«, »Keine Maschine« und »Baby, it’s cold outside«.

Der unterhaltsamste Podcast? Strangers.

Die meiste Zeit verbracht mit? Projektmanagement in der einen oder anderen Form.

Die schönste Zeit verbracht mit? Dieser mit den Jahren immer noch großartiger werdenden Familie.

Enttäuscht hat mich? Dass ich so häufig denke, dass wenn ich wollte, ich jederzeit …

2016 zum ersten Mal getan? 50 goldene Geschenke verschenkt, mit einem Podcast auf einer Bühne aufgetreten, am Beckenrand mitgefiebert, das Ende einer Ganztierfütterung gesehen, gesnappt, im Wohnzimmer gepicknickt, Proteinshakes geschlürft, mich an Cold-brew Coffee versucht, einen Modelvertrag unterschrieben, in ein Bällebad gehüpft, in der Mittagspause gegrillt, das Familientippspiel gewonnen, mich mit Pokemons beschäftigt, in einem Châteu genächtigt, Geocaching gemacht, glutenfrei gekocht, auf einer Hüpfburg gehopst, grüne Smoothies gemixt.

2016 nach langer Zeit wieder getan? Eine Probezeit bestanden, Currys gekocht, beim Wrestling gewesen, einen Zahn gezogen bekommen, Monopoly gespielt, im Museum gewesen, einen 3D-Film gesehen, Slotter gespielt, bei einem Umzug geholfen, in Legokisten gewühlt, in einer Tanzschule getanzt, Sternschnuppen gezählt, einem Werbefilm meine Stimme geliehen, beim Firmenlauf mitgelaufen, ein Crowdfunding-Projekt unterstützt, mit dem Bus nach Hause gefahren.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? Die ersten zwei Wochen nach der Einschulung, die verschleppte Bronchitis, dass Onkel Martin schon stirbt.

Drei Dinge, die es im kommenden Jahr viel häufiger geben sollte? Private Produktivität, sinnvoll verbrachte Zeit, Perspektivwechsel.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Den Unterschied zwischen Selbstdefinition und Identifikation. Davon habe ich aber vor allem mich selbst überzeugt.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Die Milchschänke vielleicht.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Unser Familienleben.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt oder mir geschrieben hat? »Du bist manchmal wie die EU: Dinge regulieren wollen, die man nicht regulieren muss.«

Und was war sonst noch? Wunderbare Abende mit der selbsternannten Selbsthilfegruppe, einen neuen alten Kollegen begrüßt, all die Oma-Episoden, das Aphtentheater, die Einführung der Wochenkarte, Herrenabende, diese Prowin-Damenrunde vor unserer Gästetoilette, die (indirekte) Nominierung für den Grimme Online Award, die Frau auf dem Bahnsteig mit dem leidenschaftlichsten Stinkefinger aller Zeiten, das Zitat auf Focus Online, Amazon Fire TV, die neue Kaffeemaschine, das WLAN-Radio.

Vorherrschendes Gefühl 2016? Es wird immer besser werden.

2016 war mit einem Wort? Abwartend. ■

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Jahresrückblick 2015

Es ist ein schönes Ritual geworden, zwischen den Jahren alle Tweets und Facebook-Posts, Fotos und Instagram-Bilder, Blogdingseinträge und Excel-Listen, Amazon-Bestellungen und Trello-Kärtchen durchzusehen, um so das vergangene Jahr für diesen Rückblick noch einmal Revue passieren zu lassen.

Zugenommen oder abgenommen? Derzeit zum Vorjahr 4 Kilogramm runter, vom Höchststand 2015 aus gesehen sogar gute 8 Kilogramm. Denn Mitte des Jahres habe ich meine Ernährung umgestellt: auf Low Carb. Das ließ nicht nur Pfunde purzeln, sondern tut meinem gesamten Organismus gut. Größter Nachteil: Essen ohne Planung ist fast nicht mehr möglich, ohne zweiten Kühlschrank noch schwieriger. Echte Hürden sind das allerdings nicht.

Haare länger oder kürzer? »Augenbrauen auch machen? Ach nee, das sieht ja so noch gut aus.«

Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Keine Ahnung, verändert zumindest. Vor allem links. Ich sollte 2016 mal wieder zum Optiker gehen.

Mehr ausgegeben oder weniger? Die Lage entspannt sich seit August.

Mehr bewegt oder weniger? Ein Desaster. Das ist ein Thema für 2016.

Der hirnrissigste Plan? Zu glauben, den Schlaf besiegen zu können.

Die gefährlichste Unternehmung? Gefährlich vielleicht nicht, aber so ein Jobwechsel nach elfeinhalb Jahren ist schon ziemlich aufregend.

Die teuerste Anschaffung? Ein neuer, gebrauchter Podcast-Rechner für 179 Euro. Privater Konsum ist es also nicht, was für den ständigen Kontonotstand sorgt. (Wobei die tatsächlich teuerste Anschaffung das Laufband war, das ich jedoch nur indirekt bezahlt habe. Und das Smartphone ist geleast.)

Das leckerste Essen? Was stehe ich inzwischen auf Naturjogurt! Hätte ich vor einem halben Jahr so auch nicht gedacht.

Das beeindruckendste Buch? Irgendwas zwischen »Das hier ist Wasser« und »Das Café am Rande der Welt«.

Der berührendste Film? Die höchste Punktzahl haben in diesem Jahr »Der Vorname« und »Eltern« erhalten.

Die beste CD? Herzlich willkommen! Diese Frage ist der diesjährige Streichkandidat im Jahresrückblick. Im kommenden Jahr wird sie deshalb schonungslos ersetzt durch die Frage: »Welche wichtige Erkenntnis habe ich in diesem Jahr gewonnen?«

Das beste Lied? Goodbye to Yesterday (Elina Born & Stig Rästa).

Der unterhaltsamste Podcast? Leitmotiv.

Die meiste Zeit verbracht mit? Neulich stellte ich fest, dass die Zeitspanne zwischen dem Verlassen des Hauses und meiner Rückkehr an normalen Arbeitstagen 11 Stunden beträgt. Keine weiteren Fragen.

Die schönste Zeit verbracht mit? Der Familie in Cannobio.

Enttäuscht hat mich? Das Vier-Minuten-Gespräch. Wobei, eigentlich auch nicht.

2015 zum ersten Mal getan? Ein Produkt nach einem Crowdfunding erhalten, einer MiMiMiMi-Lesung gelauscht, bei einer Ballettaufführung gewesen, mich als Baum verkleidet, Briefe mit meinem Foto verschickt, ein E-Bike gefahren, ein Fußball-Podcast gestartet, Firmpate gewesen, ein Biertrikot getragen, Bubble-Soccer gespielt, Mojito-Eis gegessen, S’mores gegrillt, Filme und Serien auf Amazon Prime Video geschaut, Xylit bestellt, Babo Blue getrunken, beim Taschenlampenkonzert gewesen, Fußballgolf gespielt, Zufluchtssuchende unterstützt, Nutellasterne gebacken, per Jobticket unterwegs gewesen, mich zu Halloween schminken lassen, bei der Thai-Massage gewesen, Zahnfee gespielt.

2015 nach langer Zeit wieder getan? Einem Kristallbaum beim Wachsen zugesehen, im Hallenbad gewesen, den Mobilfunk-Anbieter gewechselt, auf einem Gasherd gekocht, im Lago Maggiore geplanscht, in einem Kaiten-Sushi-Restaurant gegessen, einen Bierdeckelturm gebaut, Wrestlemania geschaut, ganze Weinflaschen mit neuen Freunden geleert, mein Profilbild geändert, Kartoffeldruck gemacht, Superbowl geschaut.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? Die ewigen Krankenhausbesuche, die Hammelmann-Geschichte, auf die Mittagsspaziergänge verzichten zu müssen.

Drei Dinge, die es im kommenden Jahr viel häufiger geben sollte? Erkenntnisreiche Momente, gerne im Gespräch mit Freunden. Post und Geschenke von Podcasthörern. Viel Zeit für die Kinder.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Ich mich selbst von vielen kleinen und großen Dingen. Das habe ich aber großzügig ins kommende Jahr verschoben.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Kratzeis vielleicht.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Die Briefekiste.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt oder mir geschrieben hat? »Werde richtig kernig!«; »Es war die sprichwörtliche Ehre, mit dir gearbeitet zu haben.«; »Vielleicht interessierst du dich nicht für Einhörner, ich mich aber schon!«; »Vielen, vielen Dank für die zahlreichen unterhaltsamen Podcast-Stunden, die Du mir (und allen anderen Hörern) in diesem Jahr beschert hast!«; »Papa, guck!«; »Scheiße, ich werde Dich vermissen.«

Und was war sonst noch? Die Makeup-Genius-App, kurze Vorstandssitzungen, Nutellagläser mit Namen, Elsa und Anna und Olaf, Dominations, ein 5-km-Lauf, die Stunden in der Intensivstation, Share the Meal, ein eingeklemmter Nerv im Rücken, Bürger auf Puerto Patida geworden, der 11.000-ste Tweet, Ben & Jerry’s Peanut Butter Cup, der vermutliche Flattr-Tod, die Schranke, die alte Dame im Ippendorfer Eiscafé »Eiszauber« mit ihrem eigenen Porzellanschälchen und Silberlöffel, Slack, Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.

Vorherrschendes Gefühl 2015? Aktiv auf der Suche zu sein.

2015 war mit einem Wort? Veränderung. ■

Es ist nicht leicht, ein Ironblogger zu sein

Sonntagmorgen. Du wachst auf, und du weißt genau, dass irgendetwas nicht stimmt. Dass du gestern Abend etwas vergessen hast. Was war gestern Abend? Du hast erst den Podcast geschnitten und veröffentlicht. Dann das Sportstudio geschaut, timegeshiftet, weil es doch wieder länger dauerte mit den Shownotes. Beim Fernsehen hast du Wäsche zusammengelegt, vier Maschinen. Immer im Interview-Teil, da muss man nicht hinschauen. Himmel, war dieser Dortmunder Torhüter langweilig. Als die Zusammenfassung der Ergebnisse des Spieltags kam, bist du auf dem Sofa eingenickt. So um den Dreh. Danach direkt ins Bett, die zusammengelegte Wäsche liegt noch im Wohnzimmer. Was könntest du nur vergessen haben?

Natürlich! Du wolltest gestern Abend doch gebloggt haben!

Am Freitag kam wie immer die Erinnerung vom Bot. Du Idiot, fünf Tage hattest du schon Zeit, deinen Text zu tippen. Aber wieder muss das Wochenende herhalten. Um 11 Uhr 30 also nicht entspannt mit den anderen die Sendung mit der Maus schauen, sondern währenddessen einen 5-Euro-Text schreiben. Wie so häufig. 4 Euro 90 reichen nicht, den Anspruch hast du an dich selbst. Wieso hat der Wecker überhaupt geklingelt am Sonntag? Jetzt bist du wach: Es kommt doch Frühstücksbesuch! Ergo: Keine Maus. Kein Ironblogging während der Maus. Kein Text bis zur Mittagszeit.

Worüber schreibst du heute überhaupt? Die Gedanken kannst du dir doch wenigstens machen. Den Text über die veränderten TwoDots-Spielregeln, den du schon seit zwei Wochen schreiben willst? Ist irgendwie zu spät, die Regeln sind doch gar nicht mehr neu. Nach Paris über veränderte Spielregeln zu schreiben, das geht doch sowieso in die Hose. Vielleicht einfach nur den Limerick über die ausgebliebenen Flattr-Klicks im vergangenen Monat? Da bist du vielleicht schnell aus dem Schneider. Aber dieser Text ist keine 5 Euro wert, da muss noch etwas dazu. Hast du etwas gesehen oder gelesen in der letzten Woche? Zwei Folgen der zweiten Staffel von Lerchenberg. Das reicht nicht für eine Bewertung. Aber gestern hast du doch die vierte Ausgabe von Den macht sogar meine Oma veröffentlicht. Mit der Nullzunullnummer sind das fünf Podcast-Episoden. Das ist doch wie ein Jubiläum, darüber kannst du doch schreiben. Denn über den Oma-Podcast hast du bislang noch nie geschrieben. Aber vier Folgen sind irgendwie auch nur sehr gewollt ein Jubiläum. Geht nicht.

16 Uhr. Die Kinder wollen noch eine Runde mit dem Fahrrad drehen. Gut, dann wird es heute eben richtig sportlich mit dem Text. Denn um 19 Uhr willst du los ins Kino. Hey, immerhin hast du für die kommende Woche direkt ein Thema. Kannst du eigentlich direkt morgen schreiben, dann ist die ganze Woche Ruhe. Aber das hilft für den heutigen Abend auch nicht. Worüber schreibst du jetzt überhaupt? Und wann jetzt in den letzten eineinhalb Stunden? Wenn die Kinder gebadet werden? Vielleicht kannst du dich da aus der Verantwortung stehlen und sagen, dass du dich um das Abendessen kümmerst. Das ausgefallene Mittagessen, weil es spätes, langes Frühstück gab. Das ist doch ein Plan.

So entstand dieser Text. Auf dem Herd köcheln Maultaschen. ■

Mein erstes Mixtape

Wenn ich mit der Bahn fahre, schaue ich mir oft die Menschen an, die wie ich Kopfhörer in den Ohren tragen. Ich frage mich immer, was die wohl hören: Podcasts, so wie ich, kann ich mir praktisch bei niemand vorstellen. (Auch wenn ich mich ab und an dabei ertappe, wie großartig es doch wäre, wenn ein Kopfhörerträger jetzt gerade einen Podcast mit mir hören würde. Na ja.) Bleiben Hörbuch- und Musikhörer. Bei den Musikhörern wiederum frage ich mich, wie sie jetzt Musik hören: Auf das Endgerät geladen? Per Stream? Zufällige Reihenfolge oder selbst bestimmt?

Wir hatten ja früher nur die Mixtapes, denke ich dann. Deshalb bin ich in den Keller gegangen, um mein erstes Mixtape herauszusuchen. Eines, das ich für mich selbst aufgenommen habe. Für das ich den Einleger mit PageStream auf dem Amiga selbst gestaltet habe – diese Grundgestaltung des gefalteten Einlegers habe ich über Jahre beibehalten. Wofür dieses Kreislogo steht, weiß ich nicht mehr: Eine stilisierte Vinyl-Platte vielleicht? Keine Ahnung, aber bis Mixtape »Music Nr.: XII« ziert es alle Fronten. (Ich stelle gerade fest, dass wir früher gar nicht Mixtape gesagt haben, glaube ich.) Der Mitteldotzen als Trennpunkt im Einleger macht mich so ein bisschen stolz: Ich war da 12! Da kann man ruhig auch »Side 1« und »Side 2« auf die Kassette schreiben, obwohl die jeweilige Ziffer mehrfach auf der Seite steht. Das überflüssige Leerzeichen: Hey, ich war da 12! Die Differenz zwischen »Musik 1« und »Music Nr.: I« ist bestimmt auch als Kunst gemeint gewesen. Auch spannend: Die Kassette ist gar nicht zurückgespult, sondern sie lagert jetzt schon mehrere Jahre an dieser Stelle gestoppt im Keller. (»Männer« oder »Eternal Flame«, ich habe reingehört. Ein bisschen dumpf, der Klang der BASF Chrome Super II 90. Aber hey: 25 Jahre später – Moment, ich feiere hier gerade aus Versehen ein Jubiläum! – funktioniert das Trägermedium immer noch!)

Doch kommen wir nun zur Musikauswahl:

  • Love is a shield
    Das war eines meiner absoluten Lieblingslieder. Kein Wunder, dass ich das als erstes Lied auf der ersten eigenen Kassette ausgesucht habe. Ich habe in Erinnerung, dass wir immer gesagt haben, dass die Musik komplett mit dem Atari gemacht wurde. War mir egal, ich hatte ja einen Amiga. Aber cool war es schon irgendwie, Musik aus dem Heimcomputer als Charthit.
  • The look
    Ich erinnere mich, dass ich dieses Lied zum ersten Mal auf der Klassenfahrt mit der Parallelklasse gehört haben. Es war die erste Fahrt mit einer anderen Klasse zusammen. Die waren irgendwie viel krassere Tänzer als wir. Und der Typ mit dem offenen Jeanshemd, mit dem ich mich angefreundet hatte, ging auf diesen Song voll ab.
  • Looking for freedom
    Kein weiterer Kommentar notwendig. Da-vid-fuck-ing-Has-sel-hoff! Obwohl wir ja kein Kabelfernsehen hatten, und ich Knight Rider deshalb immer nur bei Oma und Opa in Berlin sehen konnte. Dafür erinnere ich mich, den Text komplett abgetippt, ausgedruckt und meiner Schwester unter die durchsichtige Schreibtischunterlage gelegt zu haben. Weil sie das Lied hasste. So sind kleine Brüder.
  • Americanos
    O-ho-ho, Bludschiens and Tschienos, kompätzinohowijohs! Ich weiß bis heute nicht, was der Typ da singt. Aber auch nicht, was das Lied hier zu suchen hat.
  • The way to your heart
    Auch bei diesem Lied weiß ich nicht, was es auf dieser Kassette zu suchen hat. Aber ich finde die Abfolge ziemlich gut. Wenn ich DJ wäre oder die Musikredaktion in einem Radiosender, würde ich die beiden Songs auch hintereinander spielen.
  • Around my heart
    Oh, jetzt dämmert es mir: Viele Lieder stammen glaube ich von einer Larry-Doppelkassette. War »Larry« eine Hitparaden-Sendung? Oder nur so etwas wie Bravo-Hits? Da habe ich es mir ja einfach gemacht, mein erstes Mixtape zu bespielen. Sonst hätte hier natürlich »Maria Magdalena« hingehört, das hatte ich auf einer Hits-des-Jahres-LP!
  • Das Omen (Teil 1)
    Das habe ich auch auf besagter Klassenfahrt kennengelernt. Gab es da nicht einen voll krassen Mythos, was diese Omen-Songs angeht? Ich weiß es nicht mehr. Oder gab es da Filme? Voll verboten jedenfalls. Gehört es auch, aber aus anderen Gründen.
  • Teenager Liebe
    Ärzte oder Hosen: Das habe ich sehr früh entschieden. Ich durfte auch immer die Ärzte-Kassetten meiner Schwester hören – aber anfangs nur, wenn sie dabei war. Dann hat sie nämlich »die schlimmen Lieder« vorgespult. Dieses hier gehörte nicht dazu.
  • Du willst mich küssen
    Dieser Basslauf! Macht mir bis heute gute Laune. »Ein Jahr war schnell vorbei, da traf ich dich in der Bücherei.« Großartig getextet, so wie eigentlich alles von den Ärzten. Im Booklet eines Ärzte-Samplers haben sie geschrieben, dass das Lied ursprünglich »Du willst mich foltern« heißen sollte. Alles richtig gemacht.
  • Männer (MCV)
    Tja, was mag hier nur die Quelle gewesen sein? Ich weiß es nicht mehr. Aber dass ich hier offensichtlich einen deutschen Block auf der Kassette setzen wollte, das gefällt mir.
  • Dat Wasser vun Kölle
    Und wenn ich schon das eine Lied von den Bläck Fööss überspiele, nehme ich doch gleich noch eins dazu! Meine Güte, so viel Liebe steckt in dieser Kassette dann doch nicht.
  • Lambada
    Großartiger Start für die B-Seite. Voll peinlich. Voll versaut, der Tanz. Haaaadamuschdiful, hadumischbansulki inbatraha!
  • Batdance
    Das ist aus dem ersten Batman-Film, oder? Der ansonsten keine Charthits im Soundtrack hatte, oder? Dann ist das hier ein echtes Statement, denn so richtig gut anzuhören, jetzt als Musikstück, ist das hier nicht, mit dem ständigen Tempowechsel und den Sprachsamples aus dem Film.
  • Is everybody happy
    Freunde! Lied Nummer 3 auf Seite 1: David Hasselhoff. Lied Nummer 3 auf Seite 2: David Hasselhoff. Vielleicht ist dieses Mixtape doch ein kleines Stückchen Kunst. We’re gonna have some fun!
  • Eternal Flame
    Das ist schön. Einfach ein sehr schönes Lied. Das habe ich ganz oft beim Wickeln gesungen, weil es irgendwie tief in mir verankert ist. Wie passend. Vermutlich liegt es aber daran, dass meine Schwester eine Kassette hatte, auf der nur Eternal Flame drauf war. Wir hatten ja kein Auto-Repeat.
  • Straight up
    Urgs. Das ist Paula Abdul, oder? Ich wundere mich sehr. War bestimmt auch auf dem Larry-Sampler. Keine andere Erklärung gilt, ich war nämlich erst 12.
  • Swing the mood
    Ich hatte vergessen, dass es Jive Bunny & The Mastermixers gab. Wer war das eigentlich? Und warum? Aber schön, dass es mit einem Glenn-Miller-Song beginnt, das schließt den Kreis von neulich.
  • I beg your pardon
    Völliges Unverständnis. Mir ist bewusst, dass das auf dieser Kassette war. Aber nicht einmal »Kon Kan« hätte ich irgendwie zuordnen können.
  • Like a Prayer (Maxi)
    Ich dachte früher ja immer, dass es in diesem Lied um grenzenlose Liebe geht. Na ja, geht es ja auch, nur eben im religiösen Sinn. Glaube ich. Finde ich bis heute gut, darf – auch in der Maxi-Version – auf ein Mixtape. Aber es nervt schon so ein bisschen.
  • Girl I’m gonna miss you
    Auf YouTube findet man fast nur Coverversionen von dem Song. Hahaha, wunderbare Ironie. Aber Milli Vanilli waren damals schon echt gut, wobei ich erst sehr spät die Gesichter und die Geschichte von den beiden realisiert habe. Also jetzt nicht von den echten, das auch, sondern von Rob und Fab. Ich muss es zugeben: Ich fand Milli Vanilli einfach gut. In der Klassenzeitung haben wir sogar Songtexte von denen abgedruckt. Hach, diese wunderbare Welt ohne Abmahnanwälte.
  • Move your feet to the rhythm of the beat
    Was? Ist? Das? Doch, beim Hören kommen wieder Erinnerungen. Undefinierte Erinnerungen.
  • She drives my crazy
    Riesenrausschmeißernummer. Nicht. Mit diesem Video, wo die die ganze Zeit hüpfen. Das kann man doch nicht ernst nehmen, dieses Mixtape!

Es bleiben Fragen: Wie viele Lieder habe ich von diesem Larry-Sampler billigst übertragen? Wo ist Technotronic? Und: Welcher Song leiert am schlimmsten auf dem Band? ■

So long, and …

Meinen Arbeitsvertrag hatte ich zu Ende September gekündigt. Das ist genau heute. Elfeinhalb Jahre zusammenzufassen, das bekomme ich nicht hin. Spaß gemacht hat es. Am Ende hatten wir uns einfach auseinandergelebt. Und alles Weitere hatte Bastian Schweinsteiger schon grob für meine E-Mail zum Abschied formuliert:

Zum Abschied

Das kann ich ja immer noch am besten: Die Texte von anderen finalisieren.

Der eigentliche Grund für diesen Beitrag ist aber das Geschenk vorne rechts im Bild, in der Schatzkiste. Einige Kollegen haben mir Briefe geschrieben, die ich erst zu bestimmten Zeitpunkten öffnen darf – die Idee dazu basiert auf diesem höchst emotionalen Text. Da wären:

  • Nach deinem letzten Tag bei Galileo
  • Wenn alles mal wieder kopfsteht
  • Wenn der FC Bayern endlich mal wieder verloren hat
  • Wenn die Borussia gegen den FC Bayern gewinnt
  • Wenn die neuen Kollegen zum ersten Mal nerven
  • Wenn dir der neue Chef auf den Sack geht
  • Wenn dir Social Media mal auf die Nerven geht
  • Wenn du dich auf deinen ersten Fußballabend mit den Ex-Kollegen vorbereitest
  • Wenn du feststellst, dass der Cassius-Mittagstisch durch nichts zu ersetzen ist
  • Wenn du krank zu Hause liegst
  • Wenn Galileo Weihnachten feiert (18.12.2015)
  • Wenn Schalke Deutscher Meister wird

Wie großartig! Was freue ich mich auf diese Momente – wobei ich bei mindestens einem sicher bin, dass er nie eintreten wird. Talking about höchst emotionaler Text: Nach dem Öffnen des ersten Briefes war es völlig um mich geschehen. Danke, Jan! ■