Ich weiß, was ich letzten Sommer in Spanien bestellt habe

Auf »Falsche Neun« las ich im Sommer 2014, dass der spanische Fußball-Zweitligist CD Lugo von seinem Sponsor ein ganz besonderes Trikot gestellt bekommen hatte: Mit Schaum oben und Gerstensaft unten. Ein Biertrikot.

EIN BIERTRIKOT!

Die Mannschaft wirbt auf ihren Trikots für die Brauerei Estrella Galicia – okay, für die alkoholfreie Variante, wie es sich für Sportler gehört – und lief in der Vorbereitungsphase der Saison mit diesem Sondertrikot namens »Pint« auf. Das ging aus meinem Komikzentrum direkt ins Herz und von dort in den klickenden Zeigefinger: Denn der CD Lugo hat tatsächlich einen englischsprachigen Webshop. Mit PayPal als Bezahloption. Angemeldet, Betrag beglichen, innerhalb weniger Minuten die Nachricht erhalten: »We inform you that your order has changed the status to: Paid«.

Dann habe ich vergessen, dass ich das Trikot bestellt hatte.

Ich bin so daran gewöhnt, dass Webshopping reibungslos funktioniert, dass ich nicht bemerkt habe, nie die Nachricht erhalten zu haben, dass mein Trikot verschickt wurde. Das fiel mir, warum auch immer, erst letzten Monat wieder ein. Also schrieb ich an den Webshop-Betreiber ENFÍOS, was denn mit meinem Trikot sei – und bekam auch prompt Antwort:

Good morning!!

We have not sent your vest because the postage and handling is not correct. You have paid 5.75 € that it is to send Spain and your direction to be Germany for what you should pay the difference to be able to send your Tshirt

Thanks you.

Best regards
Patricia

Ich verstehe das: Wenn man Deutschland als Zielland eingibt, ist es für einen Webshop eine anspruchsvolle Aufgabe, auch entsprechende Versandkosten in Rechnung zu stellen. Man kann auch nicht erwarten, dass jemandem mal auffällt, dass da noch ein bezahlter Vorgang im System schlummert, der aber noch nicht abgeschlossen respektive verschickt ist. Da wird sich der mündige Kunde doch bestimmt noch selbst melden!

Patricia und ich haben uns noch eine Woche lang regelmäßig E-Mails geschrieben. Dass ich ihr die fehlenden € 3,43 für den Versand nach Deutschland auch per PayPal schicken soll, war schnell klar. Aber erst am siebten Tag hatte sie den rettenden Einfall, ihrem System einen Produktkauf in dieser Höhe vorzutäuschen, den ich per PayPal begleichen konnte. Als die gegenstandslosen € 3,43 endlich Paid, Packed und Shipped waren, änderte sich auch der Status meiner eigentlichen Trikotbestellung.

2015-04-13 20.21.00

Nach nur 8 Monaten und 17 Tagen bin ich Besitzer eines Biertrikots. Und prompt verliert der CD Lugo am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenletzten der zweiten spanischen Liga mit 1:2. ■

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Audiodeskription bei der Fußball-WM

Als im Spiel gegen Ghana alle nur über Tom Bartels schimpften, twitterte Thomas Renger:

Wie großartig: Ein Livespiel im Fernsehen mit dem zugeschalteten Livekommentar aus dem Radio auf dem zweiten Tonkanal! Das wollte ich schon immer hören und sehen, synchron hat das nur noch nie geklappt. Denn wer will schon Tom Bartels hören, wenn man Edgar Endres haben kann? Und als ich gerade nachschauen wollte, wie viele der deutschen Partien wohl noch von der ARD übertragen werden, flatterte dieser Link über den Bildschirm: Das ZDF übernimmt die Radiospur der ARD einfach! Bei allen Spielen der deutschen Mannschaft und restlos allen Spielen ab dem Viertelfinale. Woohoo!

(Vor allem aber habe ich als Liebhaber von Fußball-Radioreportagen jede Menge darüber gelernt, wie genau bzw. ungenau die Reporter kommentieren. Ein großer Spaß, wenn Özil angeblich 30 Meter vor dem gegnerischen Tor den Ball annimmt, obwohl ich genau sehen kann, dass er nur 20 Meter entfernt ist. Und spielt das eine Rolle? Nö.)

Ich freu mich! ■

Immer weiter

Das fühlt sich ganz merkwürdig an.

Ich hasse es eigentlich, wenn der FC Bayern vorgeführt wird. Schlimmer geht es in meinen Augen nicht. Viele Bayernfans sagen, dass das Champions-League-Finale 1999 für sie die schlimmste Niederlage aller Zeiten gewesen sei. Und ja: Ich habe nur einmal in meinem Leben 30 Minuten am Stück in Schockstarre vor dem Fernseher gesessen. Aber das war surreal damals, das konnte deshalb nicht wehtun. Das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale 2009 hingegen, das war »meine« schlimmste Niederlage: Vorgeführt vom FC Barcelona, geprügelt wie ein Hund, 0:4. Gegen das Team von – Pep Guardiola. Grauenhaft, beschämend, traumatisch. Zumindest ein bisschen wurde diese Wunde im Halbfinale gegen Barcelona im letzten Jahr wieder geheilt.

Aber so richtig auch nicht. Denn die Bilder von damals hatte ich heute Abend direkt wieder im Kopf. Wieder ein 0:4. Wieder vorgeführt. Wieder geprügelt wie ein Hund. Dieses Mal sogar im eigenen Stadion!

Aber: Ich bin erstaunlich gefasst. So gefasst, dass das hier der erste Schritt meiner Aufarbeitung des Themas »Ich, Bayernfan« sein könnte.

Ich habe auf die Schnelle unmittelbar nach dem Spiel nur eine Erklärung dafür: Es wäre natürlich großartig gewesen, als erste Mannschaft die Champions League zu verteidigen. Oder gar das Doppltrippl zu gewinnen. (Wobei ich Stand heute nicht einmal das Double für erreichbar halte.) Und ich weiß nicht, was die Wochen seit der eingetüteten Meisterschaft mittelfristig mit Pep Guardiola machen: Ob sie ihn anspornen, neu über Fußball (in der Bundesliga) nachzudenken oder ihm eher das Gefühl geben, mit seiner Fußballphilosophie und damit beim FC Bayern gescheitert zu sein. Also gescheitert auf allerhöchsten Niveau, den grandios erspielten Meistertitel nimmt ihm ja keiner. (Aber danach strebt er offensichtlich nur indirekt, immer auf der Suche nach dem perfekten Fußballspiel.) Aber das ist – und das ist es, was sich so merkwürdig anfühlt – letztendlich eine gute Sache: Der FC Bayern hat wieder ein Ziel. Mindestens eines. Und Pep Guardiola gleich mit. Und die Freude darüber überdeckt heute Abend alle anderen Gefühle. ■

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Richtig so, DFB-Sportgericht!

Es ist in vielfacher Hinsicht richtig, dass es wegen des Phantomtors kein Wiederholungsspiel geben wird. Es wurde hier nämlich nicht bewertet, ob der irreguläre Treffer ein Treffer war – das steht ja ohnehin außer Frage –, sondern ob die fehlerhafte Tatsachenentscheidung als solche gilt. Das tut sie, das ist gut so, kein Regelverstoß des Schiedsrichters.

Dass ein irregulär erzielter Treffer als Tor gegeben wird, passiert häufig und führt auch dann nicht zur Wiederholung. Das Phantomtor mag zwar die Mutter aller Absurditäten im Profifußball sein, aber wenn man hier ein Wiederholungsspiel angesetzt hätte, wo müsste man die Grenze ziehen, um nicht bei jeder falschen Foul-, Elfmeter- oder Abseitsentscheidung(, die zum Tor führt,) ebenfalls ein Wiederholungsspiel zu befürchten? Und damit genau das nicht passiert, gibt es eben die Tatsachenentscheidung.

In Zukunft werden die Torlinientechnik oder der Videobeweis hoffentlich dabei helfen, solche Situationen schneller und an Ort und Stelle zu klären. Auch wenn ich noch nicht einschätzen kann, ob Technikglaube die bessere Alternative ist. Dann hätte der Schiedsrichter in Hoffenheim nämlich darüber entscheiden müssen, ob ein im Tor liegender Ball als Tor gewertet wird, obwohl die Torlinientechnik nicht ausgelöst hat. Ob er also in einem vermeintlich offensichtlichen Fall der Technik mehr vertraut als seinen Augen oder die Technik sogar immer über allem steht. Auch schwierig.

Was mich aber eigentlich am meisten interessiert, deshalb auch dieser Beitrag: Hätte die Torlinientechnik das Phantomtor als Nicht-Tor erkannt? Überprüft die nicht (auch) die Position des Balles? Also: »Huch, der Ball ist ja im Tor, obwohl er nie über die Linie ging!« Und dann: Syntax Error? Oder wurde da schon die Ausnahmebehandlung für Phantomtore mitgedacht? ■

Von kleinen Fischen mit bunten Karten

Die ganz großen Ganoven erkennt man daran, dass sie auf ihr Ganovenwesen stolz sind. Auch wenn andere dabei zu Schaden gekommen sind. Wenn sie betrogen, geschummelt oder manipuliert haben, haben sie es mit den besten Absichten für sich selbst getan. Sie sind zufrieden und freuen sich, dass jetzt endlich auch andere erkennen können, wie clever und geschickt sie ihre Tat doch eigentlich geplant hatten, wenn nicht zufällig irgendwo aus einer lächerlichen Unachtsam- oder Ungenauigkeit heraus etwas schief gegangen wäre oder nicht jemand den Mund zu voll genommen hätte. Ärgerlich, aber an sich doch voller Stolz.

Kleine Fische hingegen leugnen, lügen und machen sich damit ab der ersten Sekunde noch lächerlicher. Und wollen dann auch noch Kronzeuge werden. Rote Karte und vom Platz, Herr Hoyzer! ■