Videotext und mein Leben

Die aktuellen Bundesliga-Spielstände verfolgen, während die Konferenz im Radio läuft, und dabei immer darauf achten, wer schneller ist: Videotext oder Radio. Tafel – Tafel! – 222 für den Live-Ticker zu irgendetwas einblenden. Sich wundern, warum sich offenbar alle Sender gerade auf Pink als Farbe geeinigt haben, um den Live-Charakter von etwas hervorzuheben. Boulevard-News im SAT1-Text abgreifen. Börsenkurse checken und darauf warten, dass endlich auf die richtige Unterseite gesprungen wird (und von einem Fernseher träumen, bei dem man auch die Unterseiten im Videotext direkt ansteuern kann). Fasziniert davon sein, dass man komplette Nachrichtenbeiträge auch auf einer Videotext-Seite unterbringen kann. Die Startzeit einer Fernsehsendung überprüfen, um den Videorekorder zu programmieren. Es beim Urlaub in der Schweiz typisch finden, dass die mit »Teletext« ein anderes Wort dafür haben (und nicht wissen, dass es nur in Deutschland »Videotext« heißt). Filme im Originalton-Kanal schauen und sich deutsche Untertitel auf Tafel 150 einblenden lassen. Wichtige Personen im Tatort früher erkennen, weil sie im Untertitel eine eigene Farbe bekommen. Sich ärgern, dass die übersichtlichere Bundesliga-Tabelle im SAT1-Text nicht auf Tafel 253, sondern auf Tafel 221 zu finden ist. Fußballspiele durch Gehörlosenkommentare anders wahrnehmen (»Lautes Gegröle im norwegischen Fanblock.«). Nackte Pixelfrauen auch in der Pubertät schon albern finden. Viele Jahre später den Teletwitter entdecken und Fotos vom Fernsehbild machen, wenn der eigene Tweet »im Fernsehen zu sehen« ist. Sich fragen, wie es wohl um die ASCII-Art- und Demo-Szene bestellt ist, wenn es erst seit zwei Jahren das »International Teletext Art Festival« gibt. Sich mal wieder auf die Animationen der verschiedenen Sender auf der Startseite zu Weihnachten freuen. ■