Timpano 2015

Timpano 2015

Es war nicht hilfreich, dass ich meine handschriftlichen Notizen aus dem Vorjahr verbummelt hatte. Die Zutaten sind mir nur so um die Ohren geflogen, sodass nicht nur der Timpano nahezu aus allen Nähten platzte, sondern auch noch eine Extraportion Ziti mit Tomatensoße als zusätzliches Mittagessen im Gefrierschrank wartet.

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Die Teigmenge war dieses Jahr perfekt. Beim Verschließen sollte ich mich aber an die Tucci-Regel halten, dass sich Teigschichten möglichst nicht überlappen sollten.

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Das nächste Mal muss ich wieder mit mehr Tomatenmark in der Soße planen, farblich und geschmacklich. Die Linsenbällchen waren klasse. Die würzigen Käsesorten und die Salami habe ich nicht vermisst (die vegetarische ohnehin nicht). Das etwas teurere Olivenöl hat sich gelohnt, zumindest war da dieses Jahr keinerlei bitterer Nachgeschmack. Die Erbsen passen zur Füllung ideal. Auberginen funktionieren als Füllung auch, sie müssten allerdings vorgegart werden; so schnell ziehen sie die Soße dann doch nicht ein. Nächsten Jahr: Pilze ausprobieren!

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Laut Oma Tucci soll der Timpano 30 Minuten ruhen, bevor man ihn anschneidet. Dass passte – insbesondere in diesem Jahr – so gar nicht in den Heiligabend-Zeitplan. Wenn man den Timpano allerdings früh anschneidet, läuft viel Flüssigkeit aus, wodurch sich in Folge keine schönen Stücke schneiden lassen. (Mein Mitternachtssnack hingegen blieb wunderbar in Form.) Wie löse ich das Dilemma: Timpano am 23. Dezember abends oder am 24. Dezember morgens fertigstellen und dann … die Stücke in der Mikrowelle oder im Backofen aufwärmen? Das kommt mir so unweihnachtlich vor.

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Na, da gibt es doch wieder ein paar kleinere Aufgaben für das kommende Jahr zu lösen! Ansonsten: Ich liebe diese Tradition! Weitere Bilder gibt es drüben bei Instagram: 1, 2, 3, 4, 5. ■

Timpano 2015 – Vorbereitungen

Das wird dieses Jahr anders. An Heiligabend muss ich einen halben Tag arbeiten, die Vorbereitungen für den Timpano müssen alle am 23. Dezember abgeschlossen sein. Also muss das Brimborium, muss die Aufgeregtheit, die Magie um den Timpano ein wenig in den Hintergrund treten.

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Auf Instagram habe ich nach #Timpano gesucht, um Ideen für vegetarische Füllungen zu bekommen. Die eigentliche Erkenntnis war: Auch dann, wenn man sogar auf dem Foto erkennt, dass der Timpano ohne viel Buhei zubereitet wurde, bleibt ihm etwas Besonderes. Das erleichtert mich.

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Den handschriftlich ergänzten Rezeptzettel aus dem letzten Jahr finde ich nicht mehr. Nicht gescannt, nicht fotografiert, nicht im Rezepteordner abgeheftet oder ins Tucci-Kochbuch gelegt. Zum Glück habe ich in den beiden Vorjahren hier im Blogdings viele Gedanken festgehalten, sodass der Einkaufszettel bereits steht. Und eine neue Textdatei für den Timpano 2015.

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Vermutlich werde ich die Tomatensoße sogar schon am Dienstag zubereiten. Die Linsenbällchen und den Teig erst am Mittwoch. Dann können die Zutaten am Donnerstagvormittag in Ruhe auf Zimmertemperatur gebracht werden, und nachmittags sind es nur noch ein paar köchelnde Kleinigkeiten und das Zusammensetzen. Klingt nach einem Plan.

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Ohne Aufgeregtheit geht das doch gar nicht, ein Gericht nur einmal im Jahr zu kochen. ■

Es gibt Blumenkohl, Baby!

Der neue Star am Low-Carb-Himmel ist … Blumenkohl. Den man wie Reis verwendet. Blumenkohl-Reis, »Cauliflower Rice«, was natürlich noch besser klingt, um drumherum einen kulinarischen Hype zu kreieren. Aber ist es nicht eher Reis-Blumenkohl? Ach, egal, ich will Mittagessen für morgen kochen. Deshalb habe ich den Test gemacht: Kann Blumenkohl das halten, was Reis verspricht?

Nein. Natürlich nicht. Dann aber doch.

Der Reihe nach: Den Blumenkohl habe ich auf der groben Käsereibe pulverisiert. Mit Küchenkrepp ordentlich trockentupfen, damit man ihn nicht so lange braten muss. Sesamöl in die Pfanne, erhitzen, den Blumenkohl anbraten. Es dauert einige Zeit, bis die guten … schreibe ich jetzt tatsächlich Röstaromen … entstehen, aber man sieht dem Blumenkohl an, wenn genug Flüssigkeit verflogen und er lecker angebräunt ist. Immer schön rühren. So nach fünf bis zehn Minuten habe ich ihn dann mit 50 ml Sherry abgelöscht und 100 ml Sojasauce hinterhergekippt, alles ein bisschen einkochen lassen. Großzügig 2 TL Erdnussbutter dazu. Und weiterrühren. Schließlich noch eine Zwiebel und Tiefkühlerbsen in die Pfanne, immer weiterrühren. Parallel habe ich aus vier Eiern ein Omelett zubereitet, das ich in Stücke geschnitten und zum Schluss untergehoben habe. Fertig. Zwei ordentlich große Portionen ergibt das, vor allem durch die Größe des Blumenkohls bestimmt. Bei den sonstigen Zutaten sind der Fantasie ja ohnehin keine Grenzen gesetzt, das habe ich frei improvisiert mit dem, was da war.

cauliflower-rice

Fazit: Das ist ein sehr leckeres Gericht, das wie ein asiatisches Reisgericht daherkommt, so riecht, so schmeckt. Dem aber der Reis fehlt. Aber eben nicht fehlt, es ist also gar nicht schlimm, dass der Reis nicht da ist. Man darf halt nur nicht erwarten, dass man ein Reisgericht bekommt. Und sich über die Kohlenhydrate freuen, die man einspart – oder in Erdnussbutter investiert. Das ist ja grundsätzlich immer die richtige Entscheidung. ■

Gesehen: Kochen ist Chefsache

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Das macht man nicht! Das Genre des komödiantischen Spitzenkochfilms sollte verboten werden. Es ist ein ganz wunderbarer Film, aber es sollte ihn einfach nicht geben dürfen. Jean Reno ist toll, Michaël Youn ist toll, aber sie hätten nach dem Lesen des Drehbuchs einfach nicht zusagen dürfen. Das gehört sich einfach nicht. ■

Timpano – Weihnachten 2014

Vorweg: Es war ein Fest! Ich mag das zweitägige Etappenkochen. Ich mag die Tradition, ein Gericht exakt nur einmal im Jahr zuzubereiten. Auch die fleischlose Variante ist, zusammen mit allen weiteren Abwandlungen des Originalrezepts aus »Big Night«, nahezu perfekt gelungen. Und: Ich freue mich schon riesig auf den Timpano im kommenden Jahr. Drüben bei Instagram habe ich die Zwischenschritte dokumentiert (1, 2, 3, 4, 5).

Noch einige Notizen für mich selbst:

  • Ich muss dringend »unser Gesamtrezept« notieren. Dadurch, dass ich die Bestandteile aus dem Tucci-Kochbuch, aus Notizen hier im Blog und dem externen Linsenbällchen-Rezept zusammengetragen habe, hatte ich mich bei den Mengen ein wenig vertan. Was sich wiederum gar nicht als so schlecht erwies …
  • Denn ich habe doppelt so viel Tomatensoße zubereitet wie laut Rezept benötigt. Statt 900 g Fleisch war die Basis 1 kg Suppengemüse (Röstaromen, Röstaromen!). Am Ende ein ganzer Kochtopf mit Soße, die dann aber auch fast komplett im Timpano verschwand. Sie war mir ein wenig zu dickflüssig; nächstes Jahr sollte ich vor dem Pürieren zunächst die gröberen Gemüsebestandteile aussieben und erst nach und nach dazugeben, bis die richtige Konsistenz erreicht ist.
  • Die Linsenbällchen waren super, so klein habe ich sie zuvor noch nie hinbekommen. Es lohnt sich, Möhren und Sellerie fein zu reiben und den Teig lange zu kneten. Die werde ich das Jahr über bestimmt noch das ein oder andere Mal separat machen, schärfer hätten sie grundsätzlich sein können.
  • Letztes Jahr hatte ich den Pecorino im Verdacht, an der einen oder anderen Stelle einen strengen Beigeschmack zu erzeugen. Dieses Jahr war es, so glaube ich, der Parmesan. Also will ich kommendes Jahr ganz auf den Hartkäse verzichten und stattdessen die doppelte Menge Büffelmozzarella verwenden. Und vielleicht sollte ich, gerade für dieses jahreseinmalige Gericht, ein richtig gutes Olivenöl bestellen, nicht die Standardware von Bertolli.
  • Die vegetarischen Salami-Attrappen … ach ja. Es war ein verzweifelter Versuch, die Original-Salami zu ersetzen, das merkt man dem Produkt selbst und schließlich auch dem Timpano an. Auch wenn die Gran Chorizo, die letztendlich im Timpano landete, zumindest Paprikaschärfe mitgebracht hat. Okay, aber unnötig. Einfach weglassen? Durch ein Gemüse ersetzen? Das ist noch eine kleine Baustelle für das kommende Jahr, die ich lösen möchte.
  • Die Ziti habe ich vormittags gekocht und dann mit reichlich Olivenöl bis zum Zusammensetzen des Timpanos am Nachmittag im Topf ziehen lassen. Klappte perfekt.
  • Wegen der vielen Soße war die Schüssel dieses Jahr eine Nummer größer als im Vorjahr. Dadurch reichte der Teig nicht ganz, um den Timpano oben (also unten) zu schließen. Das nächste Mal sollte ich die Teigmenge deshalb um die Hälfte aufstocken.
  • Vier Rühreier zum Schluss waren ideal.
  • Die Backzeit von eineinhalb Stunden ist grundsätzlich okay, allerdings sollte ich die Linsenbällchen dann morgens schon aus dem Kühlschrank nehmen. Oder einfach noch 15 Minuten draufgeben, mit der Alufolie auf der Schüssel kann ja nicht viel passieren. Im Tucci-Kochbuch steht auch, dass alle Zutaten auf Zimmertemperatur sein sollten.

Als Abschlussidee: Mir ist erst in diesem Jahr aufgefallen, dass im Tucci-Kochbuch das Rezept als »Drum of Ziti« geführt wird. Vielleicht lohnt sich die Recherche danach, um neue Ideen für alternative, fleischlose Füllungen zu bekommen.

Herrje, soviel Buhei um einen gestürzten Nudelauflauf. Aber völlig zurecht. ■

Planung: Vegetarischer Timpano

Wer die kleine Serie zu unserem neuen Traditionsgericht an Heiligabend im vergangenen Jahr verfolgt hat (1, 2, 3, 4), kann sich ungefähr vorstellen, wie groß meine Vorfreude auf den zweiten Timpano meines Lebens ist. Ich werde alle Notizen beherzigen, die ich vergangenes Jahr gemacht habe; hinzu kommt die Herausforderung, dass es in diesem Jahr aus Gründen ein fleischloser Timpano werden wird.

  • Am schwierigsten schien mir, die Fleischbällchen zu ersetzen. Deshalb habe ich schon früh mit diesem Rezept für vegetarische Meatballs auf Linsenbasis experimentiert. Die schmecken grundsätzlich am Folgetag am besten (und kommen dann an den Geschmack und das Mundgefühl von Hackfleischfrikadellen verdammt nah heran, nach der Zubereitung hingegen so überhaupt nicht).
  • In das Ragù Tucci kommen eigentlich allerlei Fleischzutaten, die ich einfach gegen stark angeröstetes Suppengemüse austausche. Bei der Tomatensoße zählt sowieso nur der Faktor Zeit.
  • Einzig für die Salami hatte ich keine Idee, wie ich sie »natürlich« ersetzen kann. Weglassen wollte ich sie aber auch nicht. Deshalb habe ich jetzt zwei verschiedene Veggie-Salamis bestellt: Topas Wheaty Gran Chorizo und Vegetalis Veggie-Salami. Die werden am 24. Dezember blind verkostet; die bessere kommt in Würfeln in den Timpano.

Übermorgen geht es also los: Linsenbällchen backen und Tomatensoße vorkochen. An Heiligabend werde ich morgens den Teig kneten, die Eier kochen und alles vorschnippeln, nachmittags setze ich die Pauke zusammen. Das wird ein Fest! ■

Gelesen: Schlaraffenland

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Es war nur eine Frage der Zeit, wann ich ein Buch von Stevan Paul lese, so omnipräsent wie er zurzeit in der blogpodgramenden Küchen- und Kochszene unterwegs ist. »Schlaraffenland« hatte ich mir gewünscht, weil ich die Präsentation der Bücher aus dem Mairisch Verlag so wundervoll finde – und die Haptik des Buches steht dem in nichts nach. Ich kann das Buch »über die tröstliche Wirkung von warmem Milchreis, die Kunst, ein Linsengericht zu kochen und die Unwägbarkeiten der Liebe« deshalb auch aus vollem Herzen als Geschenkbuch empfehlen und würde jederzeit alle Gerichte verspeisen, wenn Stevan Paul sie mir auftischte; aber bei keinem der Rezepte hatte ich unmittelbare Lust, es nachzukochen. Das macht aber nichts, so stehen die Rezepte einfach für die Geschichten des Buches. Und da sind sie auch sehr gut aufgehoben. ■